DIE SCHÖPFUNG
DES UNIVERSUMS
AUS DEM NICHTS
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Die klassische Auffassung
der Urknall-Theorie ist, dass alle Bestandteile
des Universums gleichzeitig begannen sich auszudehnen.
Wie jedoch konnten all die verschiedenen Teile
des Universums den Anfang ihrer Ausdehnung synchronisieren?
Wer gab den Befehl?
Andre Linde, Professor der Kosmologie
1
Vor hundert Jahren war die Schöpfung des Universums
noch ein Konzept, das von den Astronomen in der
Regel ignoriert wurde. Der Grund dafür war die
generelle Annahme der Idee, dass das Universum
zeitlich unbegrenzt existiere. Die Wissenschaftler,
die das Universum untersuchten, nahmen an, dass
es lediglich ein Konglomerat von Materie war,
die seit jeher existierte und daher keinen Anfang
habe, d.h., es keinen Zeitpunkt der "Schöpfung"
gäbe, an dem der Kosmos und alles, was in ihm
enthalten ist, ins Dasein kamen.
Diese Idee der "ewigen Existenz der Materie"
vereinbarte sich gut mit der, der Philosophie
des Materialismus entstammenden europäischen Denkweise.
Diese Philosophie, die ursprünglich in der griechischen
Antike vorgebracht wurde, beharrt darauf, dass
im Universum ausschließlich Materie existiere,
und dass das Universum, seit unendlicher Zeit
und in Ewigkeit existiere. Diese Philosophie überlebte
in einer oder der anderen Form während der römischen
Ära, doch in den späteren Epochen des Römischen
Reichs und im Mittelalter verlor der Materialismus
an Bedeutung aufgrund des Einflusses der katholischen
Kirche und der christlichen Philosophie. In der
Renaissance jedoch begann der Materialismus wieder
weitgehenden Anklang unter den europäischen Gelehrten
und Wissenschaftlern zu finden, hauptsächlich
aufgrund ihrer Begeisterung für die griechische
Antike samt ihrer Philosophie.
Der deutsche Philosoph
Immanuel Kant war der erste, der in der
Neuzeit die Behauptung eines 'unendlichen
Universums' aufstellte. Wissenschaftliche
Entdeckungen jedoch widerlegten Kants Behauptung. |
Es war vor allem Immanuel Kant, der während dem
Zeitalter der Aufklärung in Europa, den Materialismus
wieder entdeckte und verfocht. Kant erklärte,
dass das Universum für alle Zeiten existiere,
und dass jede Möglichkeit, wie unwahrscheinlich
sie auch sein möge, als möglich angesehen werden
solle. Kants Nachfolger fuhren fort seine Idee
eines unendlichen Universums zusammen mit dem
Materialismus weiterhin zu verfechten. Zu Beginn
des 19. Jahrhunderts wurde die Idee, dass das
Universum keinen Ursprung habe, d.h. dass es niemals
einen Zeitpunkt gegeben habe, zu dem es erschaffen
wurde, weithin akzeptiert. Dieses Konzept wurde
durch die Werke der dialektischen Materialisten,
wie Karl Marx und Friedrich Engels ins 20. Jahrhundert
übertragen.
Diese Idee eines unendlichen Universums lässt
sich sehr gut mit dem Atheismus vereinbaren und
es ist nicht schwierig zu sehen, warum. Anzunehmen,
dass das Universum einen Ursprung habe, könnte
bedeuten, dass es erschaffen worden war, und das
würde natürlich einen Schöpfer voraussetzen -
d.h. Allah. Es war wesentlich bequemer und sicherer,
diese Streitfrage zu umgehen, indem man die Idee
vorbrachte, dass "das Universum in Ewigkeit existiere",
obwohl nicht die geringste wissenschaftliche Grundlage
für solch eine Behauptung vorhanden war. Georges
Politzer, der für diese Idee in seinen Werken,
die Anfang des 20. Jahrhunderts veröffentlicht
wurden, eintrat und sie verteidigte, war ein eifriger
Verfechter sowohl des Marxismus, wie auch des
Materialismus.
Indem er auf die Richtigkeit des Modells des
"unendlichen Universums" vertraute, widersetzte
sich Politzer dem Konzept der Schöpfung. In seinem
Buch Principes Fondamentaux de Philosophie [Grundlegende
Prinzipien der Philoso-phie] schrieb er folgendes:
Das Universum ist kein erschaffenes Objekt; falls
es das wäre, müsste es von Gott auf einmal erschaffen
und aus dem Nichts ins Dasein gebracht worden
sein. Um die Schöpfung hinzunehmen, müsste man
zuerst zugestehen, dass es einen Zeitpunkt gab,
an dem das Universum nicht existierte, und dass
sodann etwas aus dem Nichts hervorkam. Das ist
etwas, was die Wissenschaft nicht akzeptieren
kann.2
Politzer nahm in seiner Verteidigung der Idee
eines unendlichen Universums an, dass die Wissenschaft
ihn unterstütze. Tatsächlich jedoch war es die
Wissenschaft, die beweisen sollte, dass das Universum
einen Anfang hatte. Und somit gilt, geradeso wie
Politzer es selbst erklärte: Falls es eine Schöpfung
gibt, dann muss es auch einen Schöpfer geben.
Die Ausdehnung des Universums und die Entdeckung
des Big Bang
Die 20er Jahre des 19. Jahrhunderts waren sehr
bedeutend für die Entwicklung der modernen Astronomie.
Im Jahr 1922 legte der russische Physiker Alexandra
Friedman Berechnungen vor, die zeigten, dass die
Struktur des Universums nicht statisch war, und
dass, entsprechend Einsteins Relativitätstheorie,
selbst ein geringer Impuls ausreichend sein könnte,
die ganze Struktur zu veranlassen, sich auszudehnen
oder zusammenzuziehen. George Lemaitre erkannte
zuerst, was Friedmans Befunde bedeuteten. Auf
der Grundlage dieser Berechnungen, erklärte der
belgische Astronom Lemaitre, dass das Universum
einen Ursprung habe, und dass es sich, als Ergebnis
von etwas, das dies hervorgerufen hatte, ausdehne.
Er erklärte ferner, dass die Ausstrahlungsrate
als ein Maßstab der Auswirkungen dieses "etwas"
benutzt werden könne.
Edwin Hubble entdeckte,
dass sich das Universum ausdehnt. Letztlich
fand er den Beweis für den 'Big Bang' oder
'Urknall', ein katalytisches Ereignis, dessen
Entdeckung viele Wissenschaftler zwang,
die Idee eines unendlichen und ewigen Universums
aufzugeben. |
Die theoretischen Diskussionen dieser beiden
Wissenschaftler zogen nicht viel Beachtung an,
und wären wahrscheinlich ignoriert worden, wäre
nicht im Jahr 1929 neuer wahrnehmbarer Beweis
aufgetaucht, der die Welt der Wissenschaft erbeben
ließ. In diesem Jahr machte der amerikanische
Astronom Edwin Hubble, der im Mount Wilson Observatorium
in Kalifornien arbeitete, eine der wichtigsten
Entdeckungen in der Geschichte der Astronomie.
Während er eine Anzahl von Sternen durch sein
gewaltiges Teleskop beobachtete, entdeckte er,
dass ihr Licht gegen das rote Ende des Spektrums
hin verlagert war, und dass diese Verlagerung
bedeutenderweise eine direkte Beziehung zur Entfernung
der Sterne von der Erde hatte. Diese Entdeckung
erschütterte die Grundlage des bis dahin angenommenen
Modells des Universums.
Entsprechend der anerkannten Prinzipien der Physik,
tendieren die Spektra der Lichtstrahlen, deren
Quelle sich zum Beobachtungspunkt hin bewegt nach
violett, wobei die Spektra der Lichtstrahlen,
deren Quelle sich vom Beobachtungspunkt hinweg
bewegt, nach rot hin tendieren. (Ebenso wie das
Verhallen einer Zugpfeife, wenn der Zug sich vom
Beobachter weg bewegt.) Hubbles Beobachtung zeigte,
dass sich die Himmelskörper entsprechend dieses
Gesetzes von uns hinweg bewegten. Es dauerte nicht
lange, bevor Hubble eine weitere bedeutende Entdeckung
machte; die Sterne bewegten sich nicht nur von
der Erde fort; sie bewegten sich ebenso gegenseitig
von einander fort. Die einzige Schlussfolgerung,
die daraus gezogen werden konnte, dass sich alles
im Kosmos von allem anderen hinweg bewegt, war,
dass das Universum "sich stetig ausdehnt".
Hubble hatte einen wahrnehmbaren Beweis dafür
gefunden, was George Lemaitre kurze Zeit zuvor
"prophezeit" hatte, und was einer der größten
Intellekte unseres Zeitalters fast fünfzehn Jahre
zuvor erkannt hatte. Im Jahr 1915 war Albert
Einstein aufgrund von Berechnungen, die
auf seiner kürzlich entwickelten Relativitätstheorie
begründet waren, zu dem Schluss gekommen, dass
das Universum nicht statisch sein konnte (womit
er den Schlüssen von Friedman und Lemaitre vorbaute).
Schockiert von seinen Entdeckungen fügte Einstein
seinen Gleichungen eine "kosmologische Konstante"
bei, damit "das Ergebnis richtig ausfallen möge",
denn die Astronomen versichertem ihm, dass das
Universum statisch sei, und dass es keine andere
Möglichkeit gab, seine Gleichungen solch einem
Modell anzupassen. Jahre später musste Einstein
eingestehen, dass seine kosmologische Konstante
der größte Fehler seiner Karriere gewesen war.
Hubbles Entdeckung, dass sich das Universum ausdehnte,
führte zur Konzipierung eines anderen Modells,
das keiner Angleichungen bedurfte damit die Gleichungen
die richtigen Resultate hervorbrachten. Falls
das Universum mit fortschreitender Zeit größer
wurde, so bedeutete dies, dass es kleiner werden
würde, wenn man in der Zeit zurückginge; und wenn
man weit genug zurückging, würde alles schrumpfen
und in einem einzigen Punkt zusammentreffen. Die
Schlussfolgerung, die sich aus diesem Modell ergab,
war, dass zu einem Zeitpunkt die gesamte, im Universum
vorhandene Materie in einem einzigen Masse-Punkt
komprimiert war, der aufgrund seiner immensen
Gravitation ein "Null-Volumen"
hatte. Unser Kosmos kam als Ergebnis der Explosion
dieses Masse-Punkts, der ein Null-Volumen hatte,
ins Dasein. Diese Explosion wurde der "Big
Bang" oder "Urknall"
genannt und ihr Stattfinden wurde wiederholt durch
wahrnehmbaren Nachweis bestätigt.
Der Big Bange wies ferner auf eine weitere Wahrheit
hin. Zu sagen, dass etwas ein Null-Volumen hat,
bedeutet soviel, wie zu sagen, dass es ein "Nichts"
ist. Das ganze Universum wurde aus diesem
"Nichts" erschaffen. Und überdies hatte
dieses Universum einen Ursprung, im Gegensatz
zur Anschauung des Materialismus, die daran festhält,
dass "der Kosmos in alle Ewigkeit bestanden hat".
Die "Steady-State" Theorie
Aufgrund des klaren Beweismaterials, das für
sie sprach, gewann die Urknall-Theorie schnell
weit verbreitete Annahme in der Welt der Wissenschaft.
Die Astronomen, die dem Materialismus zugeneigt
waren und an der Idee eines unendlichen Universums
festhielten, wie dies der Materialismus offenbar
erfordert, sträubten sich nichtsdestoweniger gegen
den Big Bang in ihren Anstrengungen, ein grundsätzliches
Prinzip ihrer Ideologie aufrechtzuerhalten. Der
Grund wurde von dem englischen Astronomen Arthur
Eddington erklärt, der sagte "Die Idee eines plötzlichen
Anfangs der gegenwärtigen Ordnung der Natur stößt
mich philosophisch ab".3
Ein anderer Astronom, der die Urknall-Theorie
ablehnte, war Fred Hoyle. Etwa um die Mitte des
20. Jahrhunderts stellte er ein neues Modell vor,
das er "Steady-State" [gleich bleibender Zustand]
nannte und das eine Weiterführung der Idee vom
unendlichen Universum aus dem 19. Jahrhundert
war. Indem er den unwiderlegbaren Beweis, dass
sich das Universum ausdehnte, akzeptierte, schlug
er vor, dass das Universum in beidem, räumlicher
Dimension und Zeit, unendlich war. Diesem Modell
entsprechend kommt fortlaufend neue Materie aus
sich selbst ins Dasein, und gerade in der richtigen
Menge, um das Universum in einem "gleich bleibenden
Zustand" zu erhalten. Mit dem einzig ersichtlichen
Ziel, das Dogma der "zeitlich unendlichen Materie"
zu unterstützen, welches die Grundlage der materialistischen
Philosophie ist, war diese Theorie der "Big Bang
Theorie", die vertritt, dass das Universum einen
Ursprung hat, vollständig entgegengesetzt. Die
Verfechter von Hoyles Steady-State-Theorie behielten
dem Urknall gegenüber hartnäckig jahrelang ihre
ablehnende Haltung bei. Die Wissenschaft, jedoch
arbeitete gegen sie.
| ANMERKUNGEN |
 |
1. Andrei Linde, "The Self-Reproducing
Inflationary Universe", Scientific
American, Bd. 271, 1994, S. 48
2. George Politzer, Principes Fondamentaux
de Philosophie, Editions Sociales, Paris
1954, S. 84
3. S. Jaki, Cosmos and Creator, Regnery
Gateway, Chicago, 1980, S. 54 |
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