Wie wir gesehen haben sind die physikalischen
Eigenschaften der Erde - Masse, Struktur, Temperatur
usw. - "genau richtig für das Leben". Solche Eigenschaften
alleine genügen jedoch nicht um die Existenz des
Lebens auf der Erde zu gewährleisten. Ein weiterer
ausschlaggebender Faktor ist die Zusammensetzung
der Atmosphäre.
Wir erwähnten zuvor, wie Leute manches mal durch
Zukunftsfilme zu falschen Vorstellungen verleitet
werden. Ein Beispiel dafür ist, wie einfach Raumfahrer
und -forscher auf Planeten stoßen, die eine zum
Atmen geeignete Atmosphäre besitzen: Sie scheinen
überall im Weltraum herumzuliegen. Wenn wir den
wirklichen Kosmos erforschen könnten, würden wir
entdecken, dass das in keiner Weise zutreffend
ist: Die Wahrscheinlichkeit, dass noch ein anderer
Planet eine Atmosphäre hat, die wir atmen könnten,
ist äußerst gering. Der Grund dafür ist, dass
die Erdatmosphäre speziell dazu gedacht ist, in
mannigfacher Weise verschiedene entscheidende
Voraussetzungen des Lebens zu erfüllen. Die Atmosphäre
der Erde setzt sich aus 77 % Stickstoff, 21 %
Sauerstoff und 1 % Kohlendioxid zusammen. Wir
wollen mit dem wichtigsten Gas beginnen: Sauerstoff
ist von absolut zwingender Bedeutung für das Leben,
weil er an den meisten chemischen Reaktionen beteiligt
ist, in denen Energie freigesetzt wird, die für
alle komplizierten Lebensformen erforderlich ist.
Kohlenstoffverbindungen reagieren mit Sauerstoff.
Als Ergebnis dieser Reaktionen werden Wasser,
Kohlendioxid, und Energie erzeugt.
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Eine Ansicht der Atmosphäre, wie sie sich
den NASA Astronauten darbot.
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Kleine "Energiebündel", die ATP (Adenosintriphosphat)
genannt, und in lebende Zellen benützt werden,
werden durch diese Reaktionen erzeugt. Aus diesem
Grund sind wir in stetigem Bedarf von Sauerstoff
um leben zu können, und um diesen Bedarf zu befriedigen,
atmen wir.
Die interessante Sache dabei ist, dass der Prozentsatz
des Sauerstoffs in der Luft, die wir atmen, sehr
genau festgelegt ist. Michael Denton schreibt
zu diesem Punkt:
Könnte unsere Atmosphäre mehr Sauerstoff enthalten
und dennoch das Leben fördern? Nein! Sauerstoff
ist ein sehr reaktionsfreudiges Element. Selbst
der gegenwärtige Sauerstoffgehalt der Atmosphäre
liegt, bei den gegebenen wechselnden Temperaturen,
mit 21 % nahe an der oberen Sicherheitsgrenze
für das Leben. Die Möglichkeit der Entfachung
eines Waldbrandes erhöht sich um so volle 70
% bei einer nur 1-prozentigen Zunahme der Sauerstoffkonzentration
in Atmosphäre.1
Der britische Biochemiker James Lovelock erklärte:
Bei über 25 % (Sauerstoffanteil der Atmosphäre)
könnte sehr wenig unserer gegenwärtige Landvegetation
in den rasenden Wildbränden überleben, die die
tropischen Regenwälder sowie die arktische Tundra
zerstören würden... Die gegenwärtige
Sauerstoffkonzentration ist an einem Punkt,
wo Risiko und Nutzen sich gerade schön die Waage
halten.2

Eine nur 5%-ige
Erhöhung des Sauerstoffgehalts in der Atmosphäre
des Planeten hätte Wildfeuer zur Folge,
die einen Großteil der Vegetation der Erde
verzehren würden. |
Dass der Sauerstoffanteil in der Atmosphäre genau
auf diesem Niveau bleibt, ist das Ergebnis eines
wunderbaren "Recycling" -Systems: Tiere verbrauchen
ständig Sauerstoff und erzeugen Kohlendioxid,
welches für sie nicht zum atmen geeignet ist.
Pflanze tun genau das Gegenteil: Sie nehmen Kohlendioxid
auf, welches sie zum Leben brauchen, und setzen
an seiner Stelle Sauerstoff frei. Dank dieses
Systems, geht das Leben weiter. Die Pflanzen setzen
jeden Tag Millionen Tonnen von Sauerstoff in die
Atmosphäre frei.
Ohne das Zusammenspiel und Gleichgewicht dieser
beiden verschiedenen Gruppen von Lebewesen wäre
unser Planet unbewohnbar. Wenn z.B. alle lebenden
Dinge nur Kohlendioxid einatmen, und Sauerstoff
freisetzen würden, würde die Erdatmosphäre Brände
viel stärker fördern als sie das tut, und selbst
ein winziger Funke könnte enorme Feuerbrände verursachen.
Ähnlich, wenn beide Sauerstoff einatmen und Kohlendioxid
ausatmen würden, würde das Leben letzten Endes
aussterben, sobald der Sauerstoff aufgebraucht
worden wäre.
Tatsächlich befindet sich die Atmosphäre in einem
Gleichgewichts-zustand, in dem, wie Lovelock sagt,
Risiko und Nutzen wunderbar ausbalanciert sind.
Eine weitere, genau abgestimmte Eigenschaft unserer
Atmosphäre ist ihre Dichte, die unserem Atmungssystem
ideal angepasst ist.
| ANMERKUNGEN |
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| 1
Michael Denton, Nature's Destiny, S. 121
2 James J. Lovelock, Gaia, Oxford: Oxford
University Press, 1987, S. 71
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