Die schwachen chemischen Bindungen
Kovalenten Bindungen sind nicht die einzige Art
von chemischer Bindung, durch welche die Moleküle
aus denen lebende Materie aufgebaut ist, stabil
erhalten bleiben. Es gibt eine andere, davon unterschiedliche
Kategorie von Bindungen, die als "schwachen chemischen
Bindungen" bezeichnet werden.
Die schwachen chemischen Bindungen sind ungefähr
20 mal schwächer als die kovalenten Bindungen
- daher ihr Name - doch sie sind für die Prozesse
der organischen Chemie in keiner Weise von weniger
Bedeutung. Diese schwachen Bindungen ermöglichen
es den Proteinen, die die Grundbausteine lebender
Materie bilden, ihre unbedingt erforderlichen,
komplizierten räumlichen Strukturen beizubehalten.
Um das zu erklären müssen wir kurz auf den Aufbau
der Proteine eingehen. Die Proteine werden allgemein
als 'Ketten' von Aminosäuren dargestellt. Obwohl
dieses Metapher grundsätzlich zutreffend ist,
ist es dennoch unvollständig, weil der Ausdruck
'Kette von Aminosäuren' für die meisten Leute
die Vorstellung von etwas, wie einer Halskette
an der Perlen aufgereiht sind, hervorruft, während
die Aminosäuren, die ein Protein bilden, tatsächlich
eine räumliche Struktur haben, eher wie ein Baum
mit Ästen und Blättern.

Kovalente Bindung: Die Atome sind fest
miteinander verkettet.
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Schwache chemische Bindung: Eine
organische Verbindung wird durch nicht
kovalente Schwachbindungen (dargestellt
durch die unterbrochenen Linien) in
ihrer einzigartigen dreidimensionalen
Form erhalten.
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Die kovalenten Bindungen halten die Atome der
Aminosäuren zusammen, während die schwachen chemischen
Bindungen die lebenswichtige räumliche Struktur
dieser Aminosäuren gewährleisten. Ohne diese Schwachbindungen
gäbe es keines jener Proteine, und ohne Proteine
gäbe es natürlich auch kein Leben.
Ein weiterer interessanter Aspekt dieser Angelegenheit
ist, dass der Temperaturbereich, in dem die schwachen
chemischen Bindungen ihre Funktion erfüllen können,
wiederum der ist, der auf der Erde vorherrscht.
Das ist sehr bemerkenswert, denn die physikalische
und chemische Natur der Schwachbindungen und die
der kovalenten Bindungen sind vollständig unterschiedlich
und unabhängig voneinander; in anderen Worten,
es gibt keinerlei natürliche Gründe dafür, dass
sie die gleiche Temperatur benötigen sollten,
und dennoch ist dem so; beide Bindungsarten können
nur innerhalb dieser schmalen Temperaturspanne
gebildet werden und beständig bleiben. Wenn dem
nicht so wäre, wenn die kovalenten Bindungen und
die schwachen chemischen Bindungen in stark verschiedenen
Temperaturbereichen stabil wären, wäre die Gestaltung
der erforderlichen komplexen, dreidimensionalen
Strukturen der Proteine wiederum unmöglich.
Alles, was wir über die ungewöhnlichen chemischen
Eigenschaften des Kohlenstoffatoms in Erfahrung
brachten, zeigt, dass eine allumfassende Harmonie
zwischen diesem Atom, das den Grundbaustein des
Lebens darstellt, dem Wasser, das ebenfalls unentbehrlich
für das Leben ist, und dem Planeten Erde, welcher
die Heimstätte dieses Lebens ist, vorherrscht.
In seinem Buch Nature's Destiny [Das Schicksal
Der Natur] hebt Michael Denton dieses Zusammentreffen
von notwendigen Vorausset-zungen folgendermaßen
hervor:
In dem enormen Temperaturspektrum welches der
Kosmos entfaltet, gibt es diesen winzigen Sektor
in dem (1) flüssiges Wasser, (2) eine überwältigende
Vielfalt an metastabilen, organischen Verbindungen,
und (3) schwache chemische Bindungen zur Stabilisierung
der dreidimensionalen Strukturen komplexer Moleküle
möglich sind. 1
Unter allen bisher beobachteten Himmelskörpern
herrschen nur auf der Erde Temperaturen vor, die
innerhalb dieser schmalen Bandbreite liegen, darüber
hinaus gibt es nur auf der Erde ein solch großzügiges
Vorkommen an Kohlenstoff und Wasser, den beiden
wichtigsten Grundbausteinen des Lebens.
All das deutet klar darauf hin, dass das Kohlenstoffatom
mit seinen ungewöhnlichen Eigenschaften speziell
für das Leben entworfen wurde, und dass unser
Planet speziell dafür geschaffen wurde, ein auf
Kohlenstoff gegründetes Leben zu beherbergen.
| ANMERKUNGEN |
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| 1
Michael Denton, Nature's Destiny, S. 115
f.
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