Von Ultraviolett zu Infrarot
Wir haben erwähnt, dass die kürzesten und längsten
elektromagnetischen Wellenlängen in einem Verhältnisbereich
von 1:1025 liegen. Ferner erwähnten
wir, dass die, von den Strahlen getragenen Energiemengen
umgekehrt proportional zu deren Wellenlängen sind,
d.h., dass kürzere Wellenlängen größere Energiemengen
befördern als längere. Ein weiterer Unterschied
hängt damit zusammen, welche Auswirkungen Strahlungen
mit verschiedener Wellenlänge auf die Materie
haben.
| Fast die gesamte
Ausstrahlung der Sonne ist auf die enge
Bandbreite von Wellenlängen zwischen 0,3
und 1,50 Mikron beschränkt. Auf dieser
Bandbreite liegen nahes Ultraviolett,
sichtbares Licht und Infrarot.
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Die Strahlen mit den kürzesten Wellenlängen (in
ansteigender Ordnung) sind die Gammastrahlen,
Röntgenstrahlen und ultraviolettes Licht. Diese
sind aufgrund ihres hohen Energieniveaus in der
Lage, Atome zu spalten. Alle drei dieser Strahlen
können die Zertrümmerung - insbesondere von organischen
Molekülen verursachen. Ihre Auswirkung auf die
Materie ist, dass sie diese auf atomarer und molekularer
Ebene demolieren.
Strahlungen mit größeren Wellenlängen als der
des sichtbaren Lichts beginnen bei Infrarotstrahlen
und gehen bis zu Radiowellen weiter. Ihr Einschlag
auf die Materie ist von geringerer Bedeutung,
weil die übermittelten Energiemengen nicht sehr
umfangreich sind.
Was mit 'Einschlag auf die Materie' gemeint ist,
hat mit chemischen Reaktionen zu tun. Ein beträchtlicher
Teil aller chemischen Reaktionen kann nur unter
Energiezufuhr stattfinden. Diese Energie, die
zur Einleitung einer chemischen Reaktion erforderlich
ist nennt man ihre 'Aktivierungsenergie'. Falls
die zugeführte Energiemenge kleiner als diese
Schwelle ist, findet keine Reaktion statt, und
falls sie größer ist, nützt sie auch nichts; in
beiden Fällen würde die Energie verschwendet werden.
In dem elektromagnetischen Gesamtspektrum gibt
es nur eine sehr schmale Bandbreite von Strahlungen,
deren Energie gerade der erforderlichen Aktivierungsenergie
entsprechen. Ihre Wellenlängen fallen in den Bereich
zwischen 0.70 und 0.40 Mikron, und wenn man sie
sehen will, braucht man sich nur um sich blicken
- diese Strahlungen sind, was wir als 'sichtbares
Licht' wahrnehmen. Diese Strahlung veranlasst
die chemischen Reaktionen, die in unseren Augen
stattfinden, und es uns ermöglichen zu sehen.
Die Strahlung, die als 'sichtbares Licht' bekannt
ist, macht 41 % des Sonnenlichts aus, obwohl sie
nur weniger als 10-25 des elektromagnetischen
Gesamtspektrums ausmacht. Der bekannte Physiker
George Wald behandelte dieses Thema in einem Artikel
unter dem Titel 'Life and Light' [Das Leben und
das Licht], der in der Zeitschrift Scientific
American veröffentlicht wurde und viel Aufsehen
erregte. Er schrieb: "...die Strahlung,
die nützlich ist, um ordentliche chemische Reaktionen
zu veranlassen umfaßt den überwiegenden Teil der
Ausstrahlung unserer Sonne." 1
Dass die Sonne ein Licht ausstrahlen sollte, das
so genau auf die Begünstigung des Lebens abgestimmt
ist, ist in der Tat ein außergewöhnlich starker
Hinweis auf das unterliegende Design.
Wie sieht es mit dem Rest des von der Sonne ausgestrahlten
Lichts aus? Ist es auch von irgend welchem Nutzen?
Wenn wir diesen Teil des Lichts untersuchen,
sehen wir, dass ein Großteil der Sonnenstrahlung,
der außerhalb der Bandbreite des sichtbaren Lichtes
liegt, in dem Abschnitt des Spektrums liegt, der
als 'nahes Infrarot' bezeichnet
wird. Er beginnt dort, wo das sichtbare Licht
endet und macht wiederum einen sehr geringen Teil
des Gesamtspektrums aus; weniger als 10-25.
2
Ist infrarotes Lichts von irgend welchem Nutzen?
Ja, doch diesmal nützt es nichts, sich in der
Umgebung umzusehen, denn diese Strahlen sind mit
bloßem Auge nicht sichtbar. Man kann sie jedoch
deutlich spüren: Die Wärme, die man an einem sonnigen
Sommer- oder Frühlingstag auf der Haut empfindet,
ist die Auswirkung der Infrarot-Ausstrahlung der
Sonne.
Die Infrarotstrahlung ist der Träger der Wärmeenergie
durch die die Erde warm gehalten wird. Sie ist
ebenso notwendig für das Leben wie das sichtbare
Licht. Faszinierend dabei ist, dass die Sonne
anscheinend genau zur Erfüllung dieser beiden
Aufgaben erschaffen worden ist, denn der Großteil
des von der Sonne ausgestrahlten Lichts bestehen
aus diesen beiden Strahlungsarten.
Und wie sieht es mit der dritten Strahlungsart
des Sonnenlichts aus, hat auch das einen Nutzen?
Selbstverständlich! Es handelt sich hierbei um
'nahes Ultraviolett', das den kleinsten Anteil
Sonnenstrahlung ausmacht. Wie alles ultraviolette
Licht ist es sehr energiegeladen und kann daher
schädliche Auswirkungen auf lebende Zellen haben.
Die UV-Strahlen der Sonne jedoch sind die 'harmloseste'
Art, da sie in ihrer Bandbreite dem Bereich des
sichtbaren Lichts sehr nahe liegen. Übermäßige
Bestrahlung durch solares UV Licht hat zwar nachweislich
zu Krebs und Zellmutationen geführt, doch ist
es andererseits sehr wichtig für das Leben: Die
UV Strahlen dieser 'sehr geringen Bandbreite'
3 sind für die Synthese
von Vitamin D in Menschen und allen Wirbeltieren
nötig. Vitamin D ist unerlässlich für die Bildung
und Ernährung der Knochen im Körper. Ohne dasselbe
erweichen oder verformen sich die Knochen, ein
Leiden namens Rachitis ist, an dem Menschen erkranken,
die über lange Zeit einem Mangel an Sonnenlicht
ausgesetzt sind.
Kurz gesagt, die Ausstrahlung der Sonne ist in
ihrer Gesamtheit für das Leben notwendig, und
nichts davon ist verschwendet oder überflüssig.
Erstaunlich dabei ist, dass diese Strahlungen
in ihrer gesamten Bandbreite auf einen minimalen
Bruchteil von 10-25 des elektromagnetischen
Gesamtspektrums beschränkt sind, und dennoch genügen,
uns warm zu halten, unsere Sehfähigkeit sowie
die Abwicklung all der anderen chemischen Reaktionen
zu gewährleisten die notwendig für das Fortbestehen
des Lebens auf der Erde sind.
Selbst wenn all die anderen, in diesem Buch aufgeführten
Bedingungen, die für das Leben notwendig sind,
erfüllt wären, könnte das Leben auf der Erde nicht
existieren, wenn die Strahlungen der Sonne in
irgend einen anderen Bandbreitenbereich des elektromagnetischen
Spektrums fielen. Es ist gewiss nicht möglich,
die Erfüllung solch einer Bedingung, die eine
Wahrscheinlichkeit von 1:1025 hat,
mit der Logik des Zufalls zu erklären.
Zusätzlich zu all dem, erweist uns das Sonnenlicht
noch einen weiteren Dienst: Es ernährt uns.
| ANMERKUNGEN |
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| 1
George Wald, "Life and Light",
Scientific American, 1959, Bd. 201, S.
92 ff.
2 Im Bereich des nahen Infrarots liegen
Strahlen, deren Wellenlängen sich von
0,70 Mikron (wo der Bereich des sichtbaren
Lichts endet) bis 1,50 Mikron erstrecken.
3 In diesen schmalen Bereich fallen die
ultravioletten Strahlen, deren Wellenlängen
zwischen 0,29 Mikron und 0,32 Mikron liegen.
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