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Abkühlung durch Schwitzen
Die zweite und dritte der oben erwähnten thermalen
Eigenschaften des Wassers, nämlich die 'latente
Wärme' und 'Thermalkapazität' des Wassers die
beide größer sind als die, anderer Flüssigkeiten,
sind ebenfalls sehr wichtig für uns. Diese beiden
Eigenschaften sind die Grundlage einer sehr wichtigen
körperlichen Funktion, deren Wertes sich viele
Menschen kaum bewusst sind: Das Schwitzen.
Welchen Nutzen hat das Schwitzen tatsächlich?
Um das zu erklären, muss man die zugrunde liegenden
Gegebenheiten etwas erleuchten. Alle Säugetiere
haben Körpertempera-turen von mehr oder weniger
gleicher Höhe. Obwohl einige Schwankungen vorhanden
sind, befinden sich die Körpertemperaturen der
Säugetiere im Bereich von 35 bis 40°C; die des
Menschen beträgt unter normalen Bedingungen 37°C.
Das ist eine sehr ausschlaggebende Temperatur,
die unbedingt konstant gehalten werden muss. Wenn
die Temperatur des Körpers nur um einige Grade
sinkt, versagen viele seiner lebenswichtigen Funktionen;
wenn sie sich nur um einige Grade erhöht, wie
das im Fall von Krankheit eintritt, kann das verheerende
Folgen haben. Eine länger andauernde Körpertemperatur
von über 400C kann sich durchaus tödlich auswirken.
Kurz gesagt, unsere Körpertemperatur befindet
sich in einem sehr kritischen Gleichgewichtszustand,
in dem sehr wenig Raum für Schwankungen ist.
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Die thermalen Eigenschaften des
Wassers ermöglichen es uns, überschüssige
Körperwärme durch Schwitzen abzugeben.
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Hier jedoch erhebt sich ein fundamentales Problem
für unseren Körper: Er ist ständig aktiv. Die
Verrichtung einer jeglichen physikalischen Bewegung,
in Organismen, sowie in Maschinen, benötigt Energie.
Bei der Erzeugung von Energie wird jedoch immer
Wärme als Nebenprodukt freigesetzt. Das können
Sie sehr leicht selbst in Erfahrung bringen, wenn
Sie dieses Buch beiseite legen, und unter glühender
Sonne einen 10-Kilometer Dauerlauf machen. Dabei
werden Sie deutlich merken, dass sich Ihr Körper
sich erwärmt hat. Doch wenn Sie es bedenken, werden
Sie erkennen, dass Ihnen eigentlich nicht annähernd
so heiß ist, wie es das nach solch einer Anstrengung
sein sollte.
Die Maßeinheit der Wärme ist die Kalorie. Ein
normaler Mensch erzeugt eine Wärme von 1000 Kalorien,
wenn er einen Weg von 10 Kilometern in einer Stunde
läuft. Diese Wärme muss vom Körper abgegeben werden.
Wenn sie nicht freigesetzt würde, würde der Läufer
in ein Koma geraten, bevor er den ersten Kilometer
zurückgelegt hätte.
Dieser Gefahr wurde jedoch durch die beiden,
an zweiter Stelle erwähnten Eigenschaften des
Wassers vorgebaut.
Die erste dieser Eigenschaften ist die hohe Thermalkapazität
des Wassers; d.h. eine große Wärmemenge ist erforderlich,
um die Temperatur des Wassers zu erhöhen. Unser
Körper besteht zu 70 % aus Wasser, und wegen seiner
Thermalkapazität erhitzt sich dieses Wasser nicht
so schnell. Man nehme z.B. eine Aktivität an,
die unsere Körpertemperatur um 10°C erhöhen würde.
Wenn unser Körper anstelle von Wasser Alkohol
enthielte, würde die selbe Aktivität zu einem
Temperaturanstieg von 20°C führen, und mit anderen
Substanzen von geringerer Thermalkapazität wäre
die Situation noch drastischer: Salz würde eine
Temperaturerhöhung von 50°C, Eisen eine von 100°C
und Blei sogar von 300°C verursachen. Die hohe
Thermalkapazität des Wassers ist es, die solch
enorme Wärmeveränderungen verhindert.
Doch selbst ein Temperaturanstieg von 10°C wäre,
wie bereits gesagt, tödlich. Um dem vorzubauen
kommt die zweite jener Eigenschaften ins Spiel,
die latente Wärme des Wassers.
Um die entstehende Hitze abzukühlen bedient sich
der Körper des Schwitzmechanismus. Beim Schwitzen
bildet sich Wasser auf der Haut, das jedoch sehr
schnell verdunstet. Aufgrund der großen latente
Wärme des Wassers benötigt diese Verdunstung eine
beträchtliche Menge an Wärme, welche natürlich
dem Körper entzogen wird, was diesen wiederum
abkühlt. Dieser Kühlungsmechanismus ist so wirksam,
dass man, selbst bei hohen Außentemperaturen,
manchmal sogar ein Frösteln empfinden kann.
Auf diese Weise schwitzt jemand, der 10 Kilometer
läuft etwa einen Liter Wasser aus, dessen Verdunstung
die Körpertemperatur um 60C verringert. Je mehr
Energie aufgebracht wird, umso mehr steigt die
Körpertemperatur, doch gleichzeitig wird auch
umso mehr Schweiß gebildet wodurch sich auch der
Kühlungseffekt erhöht. Die wichtigsten Faktoren
im Funktionieren dieser wunderbaren thermostatischen
Temperaturregulierung des Körpers, sind die thermalen
Eigenschaften des Wassers. Mit keiner andere Flüssigkeit
als Wasser könnte das Schwitzen dermaßen wirksam
funktionieren. Wenn z.B. Alkohol anstelle des
Wassers vorhanden wäre, würde im obigen Beispiel
nur ein Temperaturabfall von 2,2°C stattfinden
und selbst im Fall von Ammoniak ergäbe sich nur
eine Reduzierung von 3,6°C.
Dieser Vorgang hat noch einen anderen sehr wichtigen
Aspekt. Wenn die, im Körper entstehende Wärme
nicht zur Oberfläche, d.h. zur Haut, weitergeleitet
würde, hätten weder jene beiden Eigenschaften
des Wassers, noch die Schwitzfunktion irgend einen
Nutzen. Auch der Körpers muss so strukturiert
sein, dass er eine gute Wärmeleitung zulässt.
Hier kommt eine andere Eigenschaft des Wassers
zur Geltung. Im Gegensatz zu allen anderen Flüssigkeiten
hat das Wasser eine hohe Wärmeleitfähigkeit. Aufgrund
dieser und seines hohen Wassergehalts leitet der
Körper die entstehende Wärme zur Haut. Um diese
Übertragung weiter zu beschleunigen dehnen sich
auch die, der Haut nahen Blutgefäße aus, weshalb
wir auch erröten, wenn es uns heiß wird. Falls
die thermale Leitfähigkeit des Wassers etwas geringer
wäre, würde die Wärmeüber-tragung zur Haut sehr
verlangsamt, was wiederum das Leben solch komplexer
Organismen wie der Säugetiere unmöglich machen
würde.
Aus all dem geht hervor, dass drei sehr unterschiedliche,
außergewöhnliche thermale Eigenschaften des Wassers
zur Erfüllung eines gemeinsamen Zwecks zusammenarbeiten,
nämlich dem Schutz vor Überhitzung in komplexen
Lebewesen wie den Menschen. Das Wasser ist eine
Flüssigkeit, die speziell für diese Aufgabe geschaffen
wurde.
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