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Eine temperierte Welt
Die fünf verschiedenen Eigenschaften des Wassers,
die Henderson in seinem Buch The Fitness of the
Environment [Die Zweckdienlichkeit der Umwelt]
aufführt, spielen zudem eine entscheidende Rolle
in der Schaffung und Aufrechterhaltung eines milden
und gemäßigten Klimas auf der Erde.
Die relativ zu anderen Flüssigkeiten große latente
Wärme und Thermalkapazität des Wassers sind der
Grund dafür, dass die Wasserkörper sich langsamer
erwärmen und abkühlen als das Festland. Auf dem
Festland kann der Temperaturunterschied zwischen
den wärmsten und kältesten Orten bis zu 140°C
betragen, wobei der Unterschied in den Meeren
höchstens 15 bis 20°C beträgt. Die gleiche Situation
finden wir auch beim Unterschied zwischen Tag-
und Nachttemperaturen. In trockenen, wasserarmen
Gebieten kann der Temperaturunterschied zwischen
Tag und Nacht 20 bis 30°C ausmachen, während er
in den Meeren nie mehr als ein paar Grade ist.
Das trifft nicht nur auf die Meere zu, sondern
auch der, in der Atmosphäre vorhandene Wasserdampf
stellt einen maßgeblichen Ausgleichsfaktor dar.
Ein Effekt davon ist, dass in Wüstengebieten,
wo wenig Wasserverdunstung auftritt, ein extremes
Temperaturgefälle zwischen Tag und Nacht besteht,
während der Unterschied an den Orten mit Meeresklima
wesentlich geringer ist.
 
Die große Wassermenge in den Gewässern
des Planeten ermöglicht einen stetigen
Temperaturausgleich auf der Erde. Aus
diesem Grund sind die Temperaturunterschiede
zwischen Tag und Nacht in nahe am Meer
liegenden Gebieten, insbesondere in Küstengegenden,
sehr niedrig; in weit vom Meer abgelegenen
Wüstengegenden, kann das Temperaturgefälle
von Tag und Nacht bis zu 40°C betragen. |
Dank dieser einzigartigen Thermaleigenschaften
des Wassers liegen die Temperaturunterschiede
zwischen Sommer und Winter oder zwischen Tag und
Nacht immer innerhalb solcher Grenzen, dass das
Überleben des Menschen und der anderen Lebewesen
nicht bedroht ist. Wäre der Wasseranteil der Erdoberfläche
geringer als der des trockenen Landes, dann wären
auch die Temperaturunterschiede zwischen Tag und
Nacht wesentlich größer, und weite Landgebiete
wären zu Wüsten geworden; das Leben wäre unmöglich,
oder zumindest weitaus schwieriger. Ebenso wäre
der Planet ungeeignet für das Leben gewesen.,
wenn die thermalen Eigenschaften des Wassers anders
gewesen wären als sie es sind.
Nachdem er alle diese thermalen Eigenschaften
des Wassers untersucht hatte, kam Henderson zu
folgendem Schluss:
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die
Eigenschaft des Wassers von dreierlei Bedeutung
zu sein scheint: Erstens bewerkstelligt sie
eine gewaltige Angleichung und Mäßigung der
Temperatur der Erde. Zweitens ermöglicht sie
eine sehr wirksame Wärmeregulierung des Körpers
in lebenden Organismen. Drittens begünstigt
sie den meteorologischen Zyklus. Alle diese
Auswirkungen stellen wahre Maximen dar, denn
keine andere Substanz kann sich in dieser Hinsicht
mit dem Wasser messen. 1
| ANMERKUNGEN |
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Lawrence Henderson, The Fitness of the
Environment, Boston: Beacon Press, 1958,
S. 105
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